Fill or kill
27. August 2010Kompromisse sind was für Politiker, für Trader gilt Fill or Kill. Schönes T-Shirt, was ich bei Long & Short (www.longandshort.de )gefunden habe.
Kompromisse sind was für Politiker, für Trader gilt Fill or Kill. Schönes T-Shirt, was ich bei Long & Short (www.longandshort.de )gefunden habe.
Was war das für eine Woche vom 3 bis zum 7. Mai . 1000 Dow Punkte Bewegung an einem Tag, scheinbar aus dem Nichts fielen die Kurse und fast noch nervöser als die Spekulanten suchten die Medien fieberhaft nach einer Erklärung für den Kursrutsch. Für mich war dieser Tag erneut ein Beweis meiner These, das Nachrichten nur Trigger (Auslöser) aber nicht der Grund für Kursbewegungen sind. Die Kursbewegung an den Märkten hängt weit weniger von Nachrichten ab, als man meint. Die Stimmung der Teilnehmer an den Börsen ist viel wichtiger, als eine Nachricht. So war es für mich am Freitag dem 7. Mai auch kein Wunder, das trotz der guten Arbeitsmarktdaten ( mehr als 200 TSD neue Jobs) die Börse fiel. Meine Strategie für das Livetrading war, sollten gute Nachrichten kommen, warte ich ab, dass der Markt steigt und werde ihn dann shorten. Hat wunderbar funktioniert!
Dann die zweite Maiwoche. Während Dow, S+P und Eurostoxx eine typische technische Korretur nach oben vollzogen, legte der Dax mit Volldampf los und schaffte fast sogar noch neue Jahreshochs. Die relative Stärke verblüffte etwas, blieb aber immer noch im Rahmen einer Korrektur. Täglich lese ich nun in den Zeitungen etwas von der Euro Krise und wundere mich ob je ein Journalist einen Zehnjahreschart vom Euro gesehen hat? Das Ding startet im Jahr 2001 bei ca 84, also deutlich unter der Parität und steigt dann fast bis auf 1,60. Der Rückfall auf 1,21 wäre demnach nur ein 50 % Retracement. Aber irgendwie ist Panik in der Sache, wieso bloß?
Nun Menschen kann man dann am besten manipulieren, wenn sie Angst haben. Und die haben mittlerweile alle. Mit Angst lassen sich Notwendigkeiten begründen. Und meines Erachtens wird es zu drei unvermeidlichen Dingen kommen.
1) Die Finanztransaktionssteuer (obwohl sie der größte Unfug ist) wird kommen. Die Spekulanten hat man nicht umsonst als Sündenbock dargestellt.
2) Die Steuern werden erhöht ( wahrscheinlich die Mehrwertsteuer) und sicher wird die Vermögenssteuer wieder eingeführt.
3) Für alles was nun kommt, werden Spekulanten verantwortlich gemacht!
Ich behaupte nicht, dass es sich hierbei um eine Art Verschwörung handelt. Vielmehr ist es ein dynamischer Prozess, bei dem Angst der treibende Faktor ist. Menschen verstehen nicht, was Spekulanten machen. Ich weiss nicht, wie oft ich schon versucht habe zu erklären, dass nur liquide Märkte zu einer fairen Preisfindung kommen. Der Spekulant ( speculare = sehen) sieht etwas und versucht Marktungleichgewichte zu erkennen. Niemand hat die Macht, den Markt zu beeinflussen. Auch nicht ein paar Hedgefonds aus England. Der Markt wird im Mittel immer da sein, wo er hingehört. Kurzfristig wird er nach oben oder unten von diesen Gleichgewicht abweichen und Spekulanten werden dafür sorgen, dass er schnell wieder das Gleichgewicht erreicht. Die Angst die derzeit umgeht, wird aber instrumentalisiert um Interessen der Politik durchzusetzen. Zum Schaden der Wirtschaft und des Volkes. Der Staat ist hoch verschuldet und braucht Geld, also wird er es sich von denen holen, die noch etwas haben.
Je größer die Angst ist umso blinder werden die Menschen agieren. Rettungspakete sind keine Lösungen, sondern sie versuchen das Problem nur in die Zukunft zu verschieben. Was fehlt ist eine Führungsstärke. Griechenland wäre gut beraten, freiwillig die Eurozone zu verlassen, weil es dann mit der Abwertung der eigenen Währung sich einen Wettbewerbsvorteil zurückholen könnte. Bleiben die Griechen im Euro, müssen Sie Steuern erhöhen, sparen und Schulden zurückzahlen. Wie soll dann dort die Wirtschaft wachsen. Da die Schulden am BIP gemessen werden, wird sich der Quotient nicht verbessern. Ackermann hat es bereits gesagt: Die Griechen werden die Schulden nicht zurückbezahlen können. Wie geht man in so einem Fall vor. Man nimmt die Gläubiger mit ins Boot und geht in eine geordnete Insolvenz. Der Schuldtitel, der vorher mit 100 zurückzuzahlen war, ist eben nur noch halb so viel Wert. Die Gläubiger verlieren Geld. Dass versucht man derzeit zu vermeiden. Die Gläubiger sind aber keine Spekulanten sondern Pensionsfonds, Versicherungen und Banken, die den Griechen das Geld geliehen haben. Auf vielen meiner Vorträge habe ich immer wieder die These vertreten, dass wir wahrscheinlich eine Deflation bekommen und keine Inflation. Der Grund ist, die Gläubiger werden ihr Geld verlieren. Nicht alle Staaten werden ihre Schulden zurückbezahlen können.
Deutschland könnte es, wir waren auf einem guten Weg. Jetzt darf Deutschland sich nicht mit nach unten ziehen lassen. Die Situation ist auch hier mit über 70 % Verschuldung schwierig genug. Die Scheingefechte gegen die Spekulanten, die jetzt geführt werden, sollen nur davor ablenken, dass die große Schlacht noch bevorsteht. Es geht darum Milliarden von Staatsschulden abzuschreiben. Der Markt irrt nicht und beginnt dies allmählich zu erfassen.
Wir sind an einem ganz kritischen Punkt. Die nächsten Tage werden entscheiden ob wir an einem Crash vorbeikommen. Die Gefahr ist so groß wie noch nie. Es könnte sein, dass die erste Woche im Mai nur ein Vorgeschmack war. Ich gehe davon aus, dass man die Richtung im Markt nicht vorhersagen kann, aber es immer einen Trend (Vorteil ) auf einer Seite gibt. Ich sehe den Vorteil klar auf der Shortseite. Ich hoffe ich irre mich, denn der Angstlevel ist derzeit so groß, dass die Dynamik des Prozesses weit größere Folgen haben kann, als nur ein 1000 Punkte Kursrutsch. Es ist wie beim Wellenreiten. Die Bedingungen für eine Monsterwelle sind da, aber ob die Welle tatsächlich kommt und ob es uns gelingt sie zu erwischen und auf ihr zu surfen, werden die nächsten Tage ( möglicherweise STunden) zeigen. Wovon hängt das ab. Es liegt nur daran ob genügend Leute die Nerven verlieren, wenn das der Fall sein sollte ist es sicher nicht Schuld der Spekulanten. Die werden die ersten Käufer sein, wenn der Markt nach unten übertreibt!
Komme gerade zurück von der Invest in Stuttgart, auf der ich einen Vortrag über Breakout-Trading gehalten habe. Vielen Dank an die vielen Zuhörer für das Kommen. Wer nicht kommen konnte oder den Vortrag noch mal ausführlich hören will, kann das auf dem Webinar über Breakoutrading im Juli (26.6.2010) gerne nachholen (Link hier : http://www.tradac.de/website/tradac/others/anmeldeformular-22/de/de-anmeldeformular-univer-1.php?cid=1e665af5-9132-d77c-646b-4b4f03dad53e). Zurück zur Invest, was kann eine Finanzmesse außer Fachvorträgen noch bieten? Für einen , der weiss, welche Orderplattform er benutzt, der seinen Datenlieferant bereits hat, ist so eine Messe eher ein Zeitvertreib. Entweder sammelt man einen Vorrat an Kugelschreibern für das Jahr an oder aber man unterhält sich einfach nett mit Leuten aus der Szene. Ich habe einige alte Trader Bekannte getroffen und nett geplaudert. Was mir aber wirklich aufgefallen ist, waren die vielen Angebote zum Thema Edelmetalle.
Ich bin mir fast sicher, dass auf der nächsten Invest nur noch halb so viele Stände die Goldmünzen, Investments in Gold, Gold ETFS etc anbieten, vertreten sein werden. Meiner Erfahrung nach befand sich ein Markt immer in einer Bubble, wenn auf einer Messe plötzlich überproportional das Thema vertreten war. Ich erinnere mich noch gut an die Neuen Markt Zeiten. Die Angst vor Inflation treibt Anleger in vermeindlich sicheres Gold. Dass man Münzen teilweise mit hohen Aufschlägen auf den Goldpreis kauft scheint den panikgetriebenen Anleger gar nicht zu interessieren. Es ist witzig, das Menschen Angst vor Gespenstern haben, denn Inflation ist meines Erachtens nur ein GEspenst. Ich kann sie nirgends finden oder sehen.
Der Punkt ist doch der, dass es kein Papiergeld mehr gibt. Gäbe es, dann würde zuviel Geld im Umlauf zur Inflation führen. Das war in der Vergangenheit immer so. Aber das Geldsystem von heute ist ein anderes als vor 100 Jahren. Das sogenannte FIAT Money (geschaffen aus dem Nichts!) kann immer nur zu Preissteigerungen in einem Sektor führen. Z.B. den Immobilenmarkt oder dem Goldmarkt. Wieso kommt es nicht zur Inflation ? Weil das Geld als Kreditgeld geschaffen wurde. Jeder Kredit besteht aus zwei Teilen: Einer Forderung und auf der anderen Seite eine Verbindlichkeit. Die Verbindlichkeit wird meistens (oder sollte zumindest) mit etwas besichert werden. Das heisst, das Banken die Kredite aufnehmen und somit die Geldmenge erhöhen, eine Sicherheit für die Kreditaufnahme bringen. Das können z.B. Immobilien oder Staatsanleihen sein. Sollte nun der Wert der Immobilien /Staatsanleihen fallen und somit nicht mehr als Sicherheit reichen, hat der Gläubiger wie auch der Schuldner ein Problem. Der Schuldner kann seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen, der Gläubiger verliert Geld.
Somit wird das Kreditgeschaffene Geld auch wieder vernichtet. Weil in dem Moment, wo der Wert der Sicherheit fällt, verschwindet auch einfach das Geld. Diese Form der Geldschaffung durch Kredit führt aber eben auch dazu, dass bei billigen Geld sich Institutionen so lange und so viel Geld leihen, wie sie können um es dann in Immobilien, Staatsanleihen oder Gold zu stecken. Was passiert mit der steigenden Geldmenge? Nichts, weil das zusätzliche Geld nur den Preis in dem Sektor Staatsanleihen oder Immobilien oder Gold nach oben treibt. Wenn dann die Blase platzt, verschwindet das Geld einfach. Hätten wir Papiergeld, würde das Geld bleiben und zu Inflation führen. Das Kreditgeld baut sich also selber ab, die Geldmenge wird sinken.
Das Problem wird aber sein, dass dies mit großen Pleiten von Staaten und Banken verbunden sein wird. Das kann und wird Realwirtschaftliche Effekte haben, die aber nicht zur Inflation führen. Die Goldbubble und auch der Preis für Staatsanleihen ist derzeit noch intakt. Wir haben beim Bund Future gestern noch ein neues Jahreshoch gemacht. Aber ich bin sicher, wenn diese Blase platzen, wird es zu extremen Verwerfungen an den Märkten kommen. Die Menschen, die Angst vor Geldentwertung haben, werden genau das Erleben, was sie jetzt fürchten, nämlich dass sich ihre Ersparnisse halbieren.
Mal sehen ob ich recht habe und auf der nächsten Invest weniger Goldbuden stehen werden?
Grüße Birger
Hallo liebe Leser,
ich sitzte immer noch in Spanien fest. Nachdem ich ein Seminar auf dem spanischen Festland gemacht hatte, besuchten wir mit einigen Tradern noch eine Freund in seiner Finca auf Mallorca. Die innerspanischen Flüge waren glücklicherweise vom Flugverbot nicht betroffen.
Nun warte ich hier auf eine Rückflugmöglichkeit. Nachdem mein Flug am Montag gestrichen wurde, wird sich hoffentlich heute eine neue Chance ergeben. Allerdings ist eine Finca auf Mallorca nicht der schlechteste Ort an dem man einen Zwangsaufenthalt verbringen muss. Wir haben die Zeit genutzt zu traden.
Die Märkte sind derzeit alles andere als einfach für Trendfolger wie mich. Ständiger Richtungswechsel, choppy Bedingungen machen mir das Traderleben nicht einfach. Vergangene Woche Donnerstag hatte ich mich entschieden meinen Tradingstil etwas umzustellen und an die Märkte anzupassen. So habe ich hauptsächlich Bewegungstrades gemacht. Ein Bewegungstrade unterscheidet sich vom Trendtrade darin, dass mein Gewinne nicht laufen lässt und im CR bis auf 1:1 runtergeht.
Das funktioniert natürlich nur gut, wenn man einen exellenten Einstieg erwischt. Bei meinen Trendtrades ist der Einstieg nebensache. Hier bei den Bewegungstrades muss ich rechtzeitig drin sein, damit ich mir einen Krümel aus dem Markt rausschneiden kann.
Ein weiteres Problem bei Bewegungstrades ist, dass ein Fehler die Gewinne von mehrern Tagen vernichten kann, da die Einzelgewinne ja klein sind. Wie dem auch sei, letztendlich muss man sich anpassen.
Sollte heute mein Flieger gehen, bin ich am Samstag auf der Invest. Dort halte ich einen Vortrag über Ausbruchtrading. Break out Trading kann man sowohl für Bewegungstrades, als auch für Trenfolge einsetzten. Vielleicht sehen wir uns auf der Invest.
Bis bald
Birger
Nachdem mein Blog bei einem Serverumzug vollkommen vernichtet wurde, und somit auch alte Beiträge im Archiv nicht mehr zu sehen sind, werde ich versuchen die Texte auf meiner Festplatte zu suchen und zumindest einige Einträge aus der Historie wieder herstellen.
Vielen Dank an alle, die mir in ihrem Mails geschrieben haben, dass der Blog nicht erreichbar ist.
In Kürze meldet sich Birger wieder an dieser Stelle.